Was sagt unsere Verbandsspitze?

LIEBE BIOLAND-KOLLEG:INNEN,

WENN DIE VORSCHLÄGE DER EU-KOMMISSION ZUR DEREGULIERUNG DER GENTECHNIK IN LANDWIRTSCHAFT UND LEBENSMITTELN SO DURCHKOMMEN WIE VORGESCHLAGEN, WIRD DAS DAS ENDE EINER GENTECHNIKFREIEN LANDWIRTSCHAFT BEDEUTEN. AUCH DER BIO-ANBAU WIRD DAVON BETROFFEN SEIN, DENN EINE KOEXISTENZ VON GENTECHNIK UND GENTECHNIKFREIER LANDWIRTSCHAFT IST SCHLICHT NICHT MÖGLICH - KONTAMINATIONEN DES SAAT- UND ERNTEGUTS SIND VORPROGRAMMIERT.

DIE WAHLFREIHEIT DER VERBRAUCHER WIRD VON DEN VORSCHLÄGEN DER EU-KOMMISSION EBENFALLS MIT FÜßEN GETRETEN, DENN EINE DURCHGÄNGIGE KENNZEICHNUNG GENTECHNISCH VERÄNDERTER PRODUKTE - VOM SAATGUT BIS ZUM LEBENSMITTEL IM SUPERMARKT - SOLL ES NACH DEN VORSCHLÄGEN DER EU-KOMMISSION NICHT GEBEN.

AUCH ÖKO-ZÜCHTER WERDEN GLEICH DOPPELT BETROFFEN SEIN: ZUM EINEN, WEIL BEI FEHLENDER KENNZEICHNUNGSPFLICHT IRGENDWANN NICHT MEHR KLAR SEIN WIRD, WELCHES ZÜCHTERISCHE AUSGANGSMATERIAL GENTECHNISCH HERGESTELLT (ODER KONTAMINIERT) WURDE. ZUM ANDEREN, WEIL DIE GENTECHNIK-KONZERNE INZWISCHEN HAUFENWEISE PATENTE AUF PFLANZENEIGENSCHAFTEN (WIE Z.B. RESISTENZ-GENE IN WILDPFLANZEN) BEANTRAGEN, OBWOHL DIESE EIGENTLICH GAR NICHT PATENTIERT WERDEN DÜRFTEN, WEIL SIE NICHT DURCH (PATENTIERBARE) GENTECHNIK-METHODEN ENTSTANDEN SIND. SO WIRD DIE ZÜCHTERISCHE ARBEIT DER ÖKO-ZÜCHTER ZUSÄTZLICH ERSCHWERT UND VERUNMÖGLICHT.

Genauso wie in den 1980er Jahren bei der "alten" Gentechnik versprechen uns heute die Molekulargenetiker, die an den Patenten verdienen wollen, in der medialen Öffentlichkeit, dass sie mit der Gentechnik alle
Probleme lösen könnten, von der trockenheitsverträglichen bis zur schädlingsresistenten Pflanze.

Wenn das alles so einfach ginge, warum stehen diese Pflanzen - in den USA, wo Gentechnik heute schon erlaubt ist - nicht längst schon auf dem Acker? (Statt dessen stehen in den USA jetzt z.B. gentechnisch
manipulierte Äpfel auf dem Acker, deren Früchte nach dem Aufschneiden nicht braun werden und dem Verbraucher eine Frische vortäuschen. Einsparung von Spritzmitteln: Fehlanzeige!)

WAS SAGT UNSERE VERBANDSSPITZE?
UMSO IRRITIERENDER, DASS UNSERE BIOLAND-VERBANDSSPITZE SICH IN DER ÖFFENTLICHKEIT ZU DEM VORSCHLAG DER EU-KOMMISSION SEHR UNKLAR UND WIDERSPRÜCHLICH POSITIONIERT. SO VERTRITT JAN PLAGGE IM AUGUST IM TAZ-INTERVIEW DIE AUFFASSUNG, EINE KOEXISTENZ MIT GENTECHNIK-LANDWIRTSCHAFT SEI FÜR DEN BIO-ANBAU KEIN PROBLEM, DENN DIE GEFAHR VON AUSKREUZUNG "DÜRFTE BEI DEN KATEGORIE-1-PFLANZEN* (des Kommissionsentwurfs) NICHT BESTEHEN" siehe hier (ab Minute 5:10 und Minute 12:20 auf die Frage des Moderators, ob die Gentechnikfreiheit des Öko-Landbaus durch die Freigabe der Gentechnik gefährdet sei)

* als Kategorie-1-Pflanzen, die nach dem Vorschlag der EU-Kommission künftig nicht mehr als Gentechnik gekennzeichnet werden sollen und ohne jede Vorsorge-Auflagen in der Umwelt verbreitet werden können, gelten
dann solche, bei denen "nur" bis zu 20 (!) Eingriffe im Genom vorgenommen wurden. Als Kategorie-2-Pflanzen, die auch künftig noch gekennzeichnet und nur unter Beschränkungen in die Umwelt entlassen werden dürften, gelten solche, an denen mehr als 20 Eingriffe vorgenommen wurden. Kritische Wissenschaftler wie z.B. Dr. Angelika Hilbeck von der ETH Zürich bezeichnen eine solche Grenzziehung als "völlig unwissenschaftlich".

BEÄNGSTIGEND UNKRITISCH ÜBERNIMMT JAN PLAGGE IM O.G. TAZ-INTERVIEW DAS NARRATIV DER EU-KOMMISSION, DASS PFLANZEN DER KATEGORIE 1 GENAUSOGUT AUCH "MIT HERKÖMMLICHEN ZÜCHTUNGSMETHODEN" GEZÜCHTET SEIN KÖNNTEN (AB MINUTE 13:15) - DESHALB BESTÜNDE HIER KEINE GEFAHR DER AUSKREUZUNG IN DEN BIO-LANDBAU (AB MINUTE 12:20). KRITISCHE WISSENSCHAFTLER HALTEN EINE SOLCHE DEFINITION FÜR VÖLLIG UNWISSENSCHAFTLICH: NICHT NUR, DASS DIE QUANTITATIVE GRENZE VON 20 EINGRIFFEN INS GENOM VÖLLIG WILLKÜRLICH
UND DAHER WISSENSCHAFTLICH UNSERIÖS SEI. MIT DEN NEUEN GENTECHNIKEN KÖNNE AUßERDEM AUCH IN GENABSCHNITTE EINGEGRIFFEN UND KÖNNEN GENABSCHNITTE VERLETZT WERDEN, WIE ES BEI NATÜRLICHEN ZÜCHTUNGSMETHODEN KEINESWEGS MÖGLICH SEI.

Auf Nachfrage hat Jan Plagge erklärt, dass seine in dem Interview dargelegten Positionen "die Position von BIOLAND, IFOAM(EU) und BÖLW darstellen" (es sich also nicht etwa um versehentlich unglücklich
gewählte Formulierungen handelt).

LIEBE BIOLAND-KOLLEG:INNEN,

EINE SOLCHE POSITIONIERUNG UNSERER VERBANDSSPITZE, DIE IN DER ÖFFENTLICHKEIT DIE GEFAHREN DER DEREGULIERUNG VERHARMLOST, HALTEN WIR (EINE GRUPPE GENTECHNIKKRITISCHER ÖKO-HÖFE) FÜR EIN GEFÄHRLICHES SPIEL.

SOLLEN WIR ÖKO-BETRIEBE SPÄTER DIEJENIGEN SEIN, DIE DAS THEMA 'KONTAMINATION' DURCH GENTECHNIK AM LIEBSTEN VERSCHWEIGEN SOLLEN? (DIE GENTECHNIK-FIRMEN WERDEN UNS DAS SPÄTER MIT SCHADENFREUDE UM DIE OHREN HAUEN!!!)

ZWAR MAG ES SEIN, DASS ZUM HEUTIGEN ZEITPUNKT NOCH NICHT ALLE GENTECHNISCHEN EINGRIFFE AN PFLANZEN ANALYTISCH NACHWEISBAR SIND. ES WIRD ABER MIT SICHERHEIT NICHT LANGE DAUERN, BIS ANALYSEMETHODEN GEFUNDEN WERDEN, DIE SOLCHE EINGRIFFE VON NATÜRLICHEN ZÜCHTUNGSVERFAHREN UNTERSCHEIDEN KÖNNEN.

UND NOCH ETWAS: SOLLTEN SICH SPÄTER AUFGRUND DER DEREGULIERTEN GENOM-EINGRIFFE DOCH SCHÄDEN AN DER NATUR ODER UNSERER GESUNDHEIT HERAUSSTELLEN, DIE MAN HEUTE NOCH NICHT VORAUSSEHEN KONNTE, GIBT ES IN DER EU NICHT MAL EIN HAFTUNGSRECHT WIE IN DEN USA - DIE SCHÄDEN BEZAHLEN DANN DIE VERBRAUCHER UND AUCH WIR BIO-BETRIEBE!

WENN WIR SELBST HEUTE DAS NARRATIV IN DIE WELT SETZEN, DASS DER ÖKO-LANDBAU VON EINER DEREGULIERTEN GENTECHNIK NICHT BETROFFEN SEI (UND WENN WIR WISSENSCHAFTLICH UNHALTBARE NARRATIVE DER EU-KOMMISSION KRITIKLOS ÜBERNEHMEN), LIEFERN WIR DER ÖFFENTLICHKEIT UND DER POLITIK (AUCH GRÜNEN LANDWIRTSCHAFTSMINISTERN!) DIE STEILVORLAGE, DIE VORSCHLÄGE DER EU-KOMMISSION GAR NICHT SO SCHLIMM ZU FINDEN UND AM ENDE ZUZUSTIMMEN!

DAHER MEINE BITTE: BRINGT DAS THEMA GENTECHNIK IN EUREN BIOLAND-LANDESVERBÄNDEN UND AUF DER BUNDESDELEGIERTENKONFERENZ IM NOVEMBER AUF DIE TAGESORDNUNG !

WIR MÜSSEN SELBST AKTIV WERDEN UND DÜRFEN UNS NICHT ALLEIN AUF UNSERE VERBANDSSPITZEN VERLASSEN!

Viele Grüße
Hans-JOACHIM BANNIER

Obst-Arboretum Olderdissen (BIOLAND)
Alte Obstsorten - Obstbaumschnitt - Obstsortenbestimmung
33619 Bielefeld

P.S. STELLUNGNAHMEN EURERSEITS (ZUSTIMMENDE EBENSO WIE KRITISCHE)
ERWÜNSCHT !

P.P.S. MEINEN VORTRAG ZUM THEMA GENTECHNIK UND APFELZÜCHTUNG (UND WARUM DIE GENTECHNIK DIE PFLANZENSCHUTZPROBLEME IM APFELANBAU GERADE NICHT LÖSEN WIRD) KÖNNT IHR BEI INTERESSE HIER NACHHÖREN  

 

 

Ungewöhnliche Maßnahmen junger Aktivisten aus Portugal

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Kinderklage

 

Vorsorgeprinzip wird mit Füssen getreten

Brüssel, 22. September 2023

Rechtsgutachten zum Deregulierungsvorschlag der Neuen Gentechnik belegt: Vorsorgeprinzip wird mit Füßen getretenVon der Öffentlichkeit bislang größtenteils unbemerkt wird aktuell eine EU-Gesetzgebung zerpflückt: die EU- Gentechnikgesetzgebung. Sollte die Herausnahme der Neuen Gentechnik aus der bisherigen Gesetzgebung vollzogen werden, hätte das nicht nur gravierende Auswirkungen auf unsere Landwirtschaft und Ökosysteme. Es würde auch das Vorsorgeprinzip ignoriert, das Leitlinie der Umweltpolitik sein muss. Ein gerade veröffentlichtes Rechtsgutachten [1] der Kanzlei GGSC, das die Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen in Auftrag gegeben hat, zeigt auf, wie der vorgelegte Deregulierungsvorschlag sogenannter ‚Neuer Genomischer Techniken (NGTs') das Vorsorgeprinzip verletzt. MARTIN HÄUSLING, agrarpolitischer Sprecher der Grünen im Europäischen Parlament und Mitglied im Umwelt- und Gesundheitsausschuss ist der verantwortliche Grüne für die parlamentarische Arbeit zu dem Deregulierungsvorschlag. Er kommentiert:

„Das Rechtsgutachten über den Deregulierungsvorschlag für Neue Gentechnik der EU-Kommission zeigt klipp und klar: Hier wird das Vorsorgeprinzip offensichtlich mit Füßen getreten. Die möglichen Auswirkungen der Freisetzung gentechnisch veränderter Organismen in empfindliche Ökosysteme werden ignoriert, VerbraucherInnen soll die Möglichkeit genommen werden, selbst zu entscheiden, ob sie gentechnisch verändertes Essen zu sich nehmen wollen oder nicht.

Der von der Agrarindustrie propagierte und von der EU-Kommission aufgegriffene Deregulierungsvorschlag besteht im Wesentlichen darin, dass Pflanzen und pflanzliche Erzeugnisse aus der aktuellen Gentechnikgesetzgebung herausgenommen werden, wenn sie mit dem Werkzeug der Neuen Gentechnik, wie Crispr Cas, erzeugt wurden. Das betrifft mehr als 90 Prozent aller Anwendungen der Neuen Gentechnik. Diese Pflanzen und ihre Erzeugnisse müssten dann vor ihrer Zulassung auf dem Markt keine Risikoprüfung mehr durchlaufen und nicht als Gentechnik gekennzeichnet werden. Begründet wird dieses beschleunigte und für die Hersteller von Gentechnik-Sorten wesentlich günstigere Verfahren durch eine künstlich kreierte Gleichwertigkeit der gentechnisch erzeugten Sorten der sogenannten Kategorie 1 mit Pflanzen, die durch herkömmliche Züchtungstechniken hätten erzeugt werden können. Zudem dichtet die EU-Kommission diesen Gentechnikpflanzen das Prädikat ‚nachhaltig' an und behauptet, dass man bei ihrem Anbau weniger Pestizide bräuchte als beim Anbau anderer Pflanzen und sie zudem beim Kampf gegen den Klimawandel nützlich sein könnten, z.B. durch dürreresistente Sorten. Doch gibt es wissenschaftlichen Belege dafür seitens Agrarindustrie und EU-Kommission? Leider Fehlanzeige!

Das Rechtsgutachten zeigt auf, dass die Herausnahme der Neuen Gentechnik aus dem EU-Gentechnikrecht nicht wissenschaftlich begründet ist: Weder durch geringere Risiken noch durch einen größeren Nutzen von NGT-Pflanzen für die Allgemeinheit im Vergleich zu sonstigen GVO. Der Gesetzesvorschlag nimmt in Kauf, dass sich NGT-Pflanzen, die sich im Nachhinein als schädlich für Mensch oder Umwelt erweisen können, derart in der natürlichen Umwelt ausbreiten, dass sie später nicht mehr rückholbar sind. Diese Ausnahmeregelungen sollen ausgerechnet für die neuesten genomischen Techniken gelten, über deren mögliche schädliche Auswirkungen noch keine Erfahrungen vorliegen.

Das Rechtsgutachten folgert: ‚Sollte der Unionsgesetzgeber die Verordnung aber so beschließen, wie sie die Kommission vorgeschlagen hat, würde er aufgrund der dargestellten Widersprüche einen offensichtlichen Beurteilungsfehler machen und die Grenzen seines Regelungsspielraums überschreiten´.

Mein Fazit ist klar: Auch Neue Gentechnik ist Gentechnik und muss im EU-Gentechnikrecht geregelt bleiben. Ohne Schlupflöcher, ohne Ausnahmen und ohne Wenn und Aber! Denn Vorsorge ist besser als Nachsorge, die Auswirkungen der unkontrollierten Verbreitung von Gentechnik-Pflanzen wären absolut fahrlässig. Die damit verbundenen Risiken sind den propagierten Nutzen - der nach wie vor nur Wunschdenken ist - nicht wert."

 

Hintergrund aus dem Rechtsgutachten:

Das in den EU-Verträgen verankerte Vorsorgeprinzip bedeutet nach der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH), dass bei Unsicherheiten hinsichtlich des Vorliegens oder des Umfangs von Risiken für die menschliche Gesundheit oder die Umwelt Schutzmaßnahmen getroffen werden können, ohne dass abgewartet werden müsste, dass das Bestehen und die Schwere dieser Risiken vollständig dargelegt werden.

Das Rechtsgutachten führt u.a. folgende Gründe dafür an, dass der Kommissionsvorschlag dem Vorsorgeprinzip widerspricht:

* Das Wegfallen der Risikoprüfung ist weder durch per se geringere Risiken noch durch einen per se größeren Nutzen von NGT-Pflanzen für die Allgemeinheit im Vergleich zu sonstigen GVO wissenschaftsbasiert. Er nimmt in Kauf, dass sich NGT-Pflanzen, die sich später als schädlich für Mensch oder Umwelt erweisen, derart in der natürlichen Umwelt ausbreiten, dass sie später nicht mehr rückholbar sind. Diese Ausnahmen sollen ausgerechnet für die neuesten genomischen Techniken gelten, über deren mögliche schädliche Auswirkungen noch keine Erfahrungen vorliegen.

* Die Privilegierung von NGT-Pflanzen gegenüber sonstigen GVO ist nicht durch einen generell höheren Nutzen von NGT-Pflanzen gegenüber sonstigen GVO zu rechtfertigen. Zwar betont die Kommission, dass NGT-Pflanzen einen besonderen Nutzen für Nachhaltigkeit, Ernährungssicherheit oder Autonomie haben können. Die Kommission liefert jedoch keine Anhaltspunkte oder gar Belege dafür, dass von der NGT-Pflanzen ausgehende potentielle Nutzen höher ist als derjenige sonstiger GVO. Ein solcher Nutzen ist ferne keine Voraussetzung für die Einstufung als und die Privilegierung von NGT-Pflanzen. Die Privilegierung kommt auch NGT-Pflanzen zugute, die schädliche Auswirkungen auf die genannten Ziele haben.

* Für NGT-Pflanzen der Kategorie 1 (90% aller Anwendungen der Neuen Gentechnik) ist keine einzelfallbezogene Risikoermittlung vorgesehen.

* Der Anwendungsbereich soll nur anhand abstrakter Vorgaben zur Art und Anzahl von Veränderungen der DNA bestimmt werden. Dadurch bliebt unklar, welches Spektrum veränderter Eigenschaften und welches damit verbundene Risikopotential NGT-Pflanzen der Kategorie 1 haben können.

* Erzeugnisse aus NGT-Pflanzen der Kategorie I (mit Ausnahme von Saatgut) müssen nicht mehr gekennzeichnet werden. Im Falle einer erst nach dem Inverkehrbringen solcher Erzeugnisse festgestellten Gefährlichkeit der Erzeugnisse könnten dann keine wirksamen Schutzmaßnahmen (Aussonderung, Rückruf) getroffen werden, weil die betroffenen Erzeugnisse mangels Kennzeichnung nicht mehr erkennbar sind'.

 

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Am 9. September von 14 bis 17 Uhr hinter der MEWA-Arena

Die Stadt Mainz plant einen BiotechCampus auf 50 ha besten Ackerbodens in einem Kaltluftentstehungsgebiet. Das wird z.Zt. in einem Wettbewerb geprüft. Das Netzwerk Nachhaltige Stadtentwicklung hat gestern vor der Stadtratssitzung Töpfchen mit gekeimter Gerste und einen Flyer verteilt, um für den Erhalt der Äcker zu werben.

Für mehr Informationen bitte DIESEM LINK folgen!

Gerste statt BioTech!

Die Stadt Mainz plant einen BiotechCampus auf 50 ha besten Ackerbodens in einem Kaltluftentstehungsgebiet. Das wird z.Zt. in einem Wettbewerb geprüft. Das Netzwerk Nachhaltige Stadtentwicklung hat gestern vor der Stadtratssitzung Töpfchen mit gekeimter Gerste und einen Flyer verteilt, um für den Erhalt der Äcker zu werben.

#Landwirtschaft #Artenschutz #Wasserspeicher #CO2Speicher #Kaltluftentstehung

Das Netzwerk:
AK Umwelt Mombach, Arbeitsgemeinschaft bäuerl Landwirtschaft, Attac AG Stadtentwicklung, Bündnis Stadtklima Mainz-Wiesbaden, BUND Mainz, MainzZero, Nachhaltigkeitsinitiative Bretzenheim, Pächter und Eigentümer der Flächen, Parents For Future Mainz, SOLAWI Mainz, Workers For Future

Gerste statt Biotech!Gerste statt Biotech!

Breites Bündnis fordert mehr Unterstützung bei Umsetzung Agroforstsystemen

AgroforstsystemeAgroforstsysteme tragen zur Klimaanpassung bei, sorgen in der Landwirtschaft für mehr Klima-, Boden- und Gewässerschutz und fördern die Artenvielfalt. Gleichzeitig zeichnen sie sich durch eine hohe Flächenproduktivität aus. Trotz dieser Vorteile wird die Anlage und Bewirtschaftung von Agroforstsystemen seitens Bund und Länder nicht nennenswert unterstützt.

Die Berufsstandvertretungen Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e.V. (AbL) und Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft e.V. (BÖLW) fordern daher gemeinsam mit dem Deutschen Fachverband für Agroforstwirtschaft e.V. (DeFAF) in einem offenen Brief [3] an die Ministerinnen und Minister, Senatorinnen und Senatoren für Landwirtschaft und Umwelt des Bundes und der Länder, sich mit aller Kraft für eine verstärkte Umsetzung von Agroforstsystemen einzusetzen.

 

Unterstützt werden die Forderungen durch zahlreiche Akteure aus Wissenschaft und Gesellschaft, wie die 99 mitzeichnenden Verbände und Institutionen exemplarisch zeigen.

„Es ist dringend erforderlich, dass Bund und Länder im Rahmen der aktuellen Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) zügig Maßnahmen ergreifen, um Agroforstsysteme in die Fläche zu bekommen und so die Zukunftsfähigkeit landwirtschaftlicher Standorte zu stärken.“
Dr. Christian Böhm, Vorstandsvorsitzender des DeFAF

Das diesbezüglich aktuell geringe Engagement steht auch im Widerspruch zu dem im deutschen GAP-Strategieplan festgeschriebenen Ziel von Bund und Ländern, bis 2026 eine Agroforstgehölzfläche von 200.000 ha etablieren zu wollen.

„Um dieses Ziel auch nur ansatzweise zu erreichen, müssen bürokratische Hürden, wie die Abstandssonderregelung oder die unnötige Reglementierung ökologischer Maßnahmen, beseitigt werden. [...] Landwirte schaffen durch die Anlage von Agroforstsystemen einen relevanten gesellschaftlichen Mehrwert, dem ein erhöhter Arbeitsaufwand gegenübersteht. Daher sollten sie angemessen honoriert werden!"
Daniel Fischer, AbL-Arbeitskreis Agroforstwirtschaft

„Auch im Ökolandbau tragen Agroforstsysteme zu mehr Klimaresilienz und mehr Umweltleistungen bei. Daher ist es unverständlich, dass Bio-Betrieben in einigen Bundesländern die Honorierung der Öko-Bewirtschaftung verwehrt wird, wenn sie die agroforstliche Bewirtschaftung in Anspruch nehmen wollen“.
Hubert Heigl, Vorstand Landwirtschaft des BÖLW

Auf EU-Ebene werden Agroforstsysteme als wichtiges Werkzeug zur Erreichung der Klima- und Umweltziele im Rahmen der aktuellen GAP angesehen. So ermöglicht die EU den Mitgliedstaaten explizit für Agroforstsysteme, die Investitionskosten für deren Einrichtung bis zu 100 Prozent zu fördern. Weshalb in Deutschland hiervon kein Gebrauch gemacht wird, ist nicht nachvollziehbar.

Stattdessen werden an die Öko-Regelung zur Beibehaltung der agroforstlichen Bewirtschaftung Anforderungen gestellt, welche die Gestaltungsoptionen bei der Anlage von Agroforstflächen erheblich einschränken. Aber gerade die Flexibilität ist ein entscheidender Faktor, damit Landwirtinnen und Landwirte ihre mit dem jeweiligen Agroforstsystem verbundenen Ziele erreichen können. Dies gilt insbesondere auch für die Optimierung der Umweltwirkungen.

Daher appellieren wir an Bund und Länder alles daran zu setzen, multifunktionale Landnutzungspraktiken wie Agroforstsysteme, die mehr Zukunftssicherheit bei Klimaänderungen bieten und die gleichermaßen ökologischen und ökonomischen Ziele zugutekommen, massiv zu unterstützen.

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