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Montag, 17. Februar 2014

Ratten getötet, Studie zurückgehalten

 

Montag, 2. Sep 2013

 

Die Ergebnisse sind bis heute in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt

Michael Krause

 

CAEN/BERLIN - Gentechnisch modifizierter Mais von Monsanto hat Ratten im

Versuchslabor getötet. Das geht aus einer Studie [1] der Universität Caen

[2] hervor. Das Pikante daran: Die Erhebung wurde sofort nach ihrer

Veröffentlichung kritisiert. Die Ergebnisse sind bis heute in der

Öffentlichkeit weitgehend unbekannt.

 

Ergebnisse bereits 2012 veröffentlicht

 

Die Forschungsergebnisse wurden bereits im September 2012 veröffentlicht.

Laut Gilles-Eric Seralini von der Universität Caen kann der Verzehr des

gentechnisch veränderten Maises extreme Gesundheitsschäden hervorrufen.

Organschäden, Tumore und letztendlich ein verfrühter Tod gehören dazu. Im

Interview mit pressetext erklärt Dirk Zimmermann, Gentechnik-Experte von

Greenpeace: "Langfristige Effekte können nicht kritisch genug betrachtet

werden."

 

Die Genmais-Lobby bezeichnet die Studie hingegen als "absurd",

"unangebracht" und "Standards nicht erfüllend". So Julian Little,

Vorsitzender des Agricultural Biotechnology Council, das unter anderem

Monsanto repräsentiert. Laut Little sind die Anschuldigungen, die

Studienergebnisse würden von Monsanto zurückgehalten, verrückt. Es handle

sich um eine "Verschwörungstheorie, die nicht zündet". Mehr als drei

Billionen Mahlzeiten mit gentechnisch veränderten Nahrungsmitteln seien

weltweit bereits verzehrt worden - ohne Gesundheitsprobleme.

 

Multi-Milliarden-Dollar-Industrie unter Beschuss

 

"Die Studie bedroht existenziell die Grundlage einer

Multi-Milliarden-Dollar-Industrie", beschreibt Claire Robinson, Mitglied der

Umwelt-Gruppe GM Watch, den Hintergrund. "Die Attacken auf Seralinis

Forschungsmethoden sind besonders verdächtig, weil er einfach die gleiche

Methode wie Monsanto selbst angewandt hat. Er hat den Versuch nur in die

Länge gezogen." (asp/pte [5])

 

[1] http://bit.ly/14SnESB

[2] http://www.unicaen.fr/recherche/mrsh/annuaire/1614849

[3] http://www.greenpeace.de/gentechnik

[4] http://bit.ly/1dzDwhC

[5] http://www.pressetext.com/news/20130902014

 

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Agrardebatte

http://www.agrardebatte.de/2013/08/07/

 

Genmais: nicht koscher

 

Französische Wissenschaftler widerstehen Monsanto. Ihre Studie wies bei

Ratten Gesundheitsschäden durch Verzehr einer manipulierten Sorte nach. Sie

wird seither vergeblich als unseriös diffamiert

 

Von Peter Clausing

 

Vor knapp einem Jahr, am 19. September 2012, veröffentlichte Professor

Gilles-Eric Séralini von der Universität Caen, Nordfrankreich, zusammen mit

sieben weiteren Autoren in der Fachzeitschrift Food and Chemical Toxicology

die Ergebnisse einer Langzeitstudie. Dabei wurden krebserregende Wirkungen

und andere Gesundheitsschäden an Ratten nachgewiesen, nachdem diese 24

Monate lang mit gentechnisch verändertem NK603-Mais gefüttert wurden. Die

Publikation schlug ein wie eine Bombe, denn sie stellt die laxe

Risikobewertung für gentechnisch modifizierte (GM) Pflanzen, wie sie bislang

von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und anderswo

praktiziert wird, in Frage.

 

Eine Verschärfung der Prüfvorschriften würde die Zulassung von GM-Sorten

deutlich erschweren und das Zulassungsverfahren für sie generell verlängern

und verteuern. Außerdem müssten auch bereits zugelassene, positiv getestete

Sorten vom Markt genommen und aufwendig neu bewertet werden. Genau dies

forderten im vergangenen Jahr französische Spitzenpolitiker nach Erscheinen

der Studie. Erwartungsgemäß heftig fiel die Reaktion der Gentechnikindustrie

und -lobby aus. Innerhalb von 24 Stunden nach Veröffentlichung des Artikels

entfaltete sich im englischen Sprachraum eine über diverse Medien verteilte

Diffamierungskampagne, in der die Zeitschrift unter anderem zur Rücknahme

des Artikels aufgefordert wurde. Zwar wurde dies nicht erreicht, aber es

muss als Erfolg der Gentechniklobby gewertet werden, dass bei Food and

Chemical Toxicology wenige Monate später der Posten eines speziellen

Herausgebers für Publikationen zum Thema Biotechnologie geschaffen - und mit

einem ehemaligen Monsanto-Mitarbeiter besetzt wurde. Ein zweites Ziel war

die Diskreditierung Séralinis und seiner Kolleginnen und Kollegen. Beides

folgte einem Muster, das schon bei früheren gentechnikkritischen Artikeln

angewendet wurde. So berichtete der ungarische Wissenschaftler Arpad Pusztai

bereits 1999 zusammen mit Stanley Ewen über Immunschäden nach Fütterung von

GM-Kartoffeln an Ratten. Dies kostete ihn seinen Job am Rowett Research

Institute im schottischen Aberdeen. 2005 erhielt er den Whistleblower-Preis

der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler. Ähnliches widerfuhr Ignacio

Chapela, als er zusammen mit seinem Doktoranden David Quist im Jahr 2001

aufdeckte, dass sich, bis dahin unbemerkt, GM-Mais im mexikanischen

Bundesstaat Oaxaca ausbreitete. Chapela konnte seinen Verbleib an der

Universität Berkeley gerichtlich ertrotzen, seine in der renommierten

Zeitschrift Nature erschienene Publikation wurde jedoch unter dem Druck der

Gentechniklobby von deren Herausgeber nachträglich für ungültig erklärt.

 

Labor Séralini hält stand

 

Im Fall von Séralini funktionierte dieses Spiel nicht, wenn man von der

erwähnten Installation des Biotechnologieexperten bei Food and Chemical

Toxicology absieht. Der Professor und sein Team hatten von Anbeginn die

Solidarität eines breiten Kreises von Akademikern, was bei solchen über die

»Wissenschaftsschiene« geführten Auseinandersetzungen besonders wichtig ist.

Über die stark besuchte, mehrsprachige Website wird den Angriffen

transparent und offensiv begegnet.

 

Und erstmals in der Geschichte der Kontroversen um die Folgen der

Genmanipulation an Organismen reagierte die Politik, wenngleich ziemlich

halbherzig: In Frankreich gibt es seit dem 12. Juli 2013 eine Ausschreibung

für die Etablierung eines Konsortiums zur »Untersuchung der gesundheitlichen

Auswirkungen des Langzeitverzehrs von gentechnisch veränderten

Nahrungsmitteln«, dem 2,5 Millionen Euro Forschungsmittel zur Verfügung

stehen sollen. Und die EU-Kommission lobte bereits im Juni eine mit drei

Millionen Euro dotierte Studie zur Untersuchung der krebserzeugenden Wirkung

von NK603-Mais aus, deren Beginn für 2014 geplant ist. Halbherzig sind beide

Entscheidungen insofern, als im Sinne eines verantwortungsbewussten

Risikomanagements die im Jahr 2004 erteilte Zulassung für NK603 als

Nahrungsmittel so lange suspendiert werden müsste, bis die geplante

Kanzerogenitätsstudie ausgewertet ist.

 

Erschütterte Fundamente

 

Die Ergebnisse von Séralini werden unter anderem deshalb so aggressiv

bekämpft, weil sie an den Grundfesten der Argumentation der

Gentechnikindustrie rütteln. Diese lautet, dass GM-Pflanzen zwangsläufig

ohne Nebenwirkungen sein müssen, da es sich ja nur um eine Beschleunigung

»natürlicher Veränderungen« ihrer genetischen Konstitution handele, ähnlich,

wie sie im Verlaufe der Evolution ohnehin passieren würden. Auf Basis dieser

Philosophie beklagen die Gentechnikbefürworter zu jedem sich bietenden

Anlass selbst das von der EFSA geforderte Minimalprogramm einer

Sicherheitsbewertung als Schikane, die ihnen die Gegner des

biotechnologischen Fortschritts eingebrockt hätten. Dabei kann den

Saatgutkonzernen auf Antrag sogar ein Teil der für bestimmte GM-Pflanzen

empfohlenen Sicherheitsprüfungen erlassen werden. Das ist ein gravierendes

Problem, zumal zahlreiche Mitglieder der Entscheidungsgremien dieser

EU-Zulassungsbehörde Interessenkonflikte aufgrund ihrer Beziehungen zu

GM-Produzenten haben, wie Anfang 2012 von Corporate Europe Observatory,

einer in Brüssel ansässigen Nichtregierungsorganisation, dokumentiert wurde.

Deshalb stellt die für NK603 ausgelobte Studie, die weit über die in der

EFSA-Richtlinie von 2011 geforderten Prüfungen hinausgeht, einen Sieg jener

kritischen Wissenschaftler dar, die seit Jahren strengere Maßstäbe für das

Zulassungsverfahren einfordern.

 

Noch im Dezember sträubte sich die EFSA grundsätzlich gegen Langzeitstudien

zu GM-Pflanzen. Erst unter dem Druck der Ereignisse scheint in der Behörde

ein Sinneswandel einzutreten: Neben den - von EFSA-Vertretern offiziell als

unzureichend bezeichneten - Ergebnissen aus dem Labor Séralini fällt

offenbar die mittlerweile von neun EU-Ländern ausgesprochene Rücknahme der

Zulassung für die GM-Mais-Sorte MON 810 ins Gewicht.

 

Aber auch aus molekularbiologischer Sicht gibt es allen Grund, die

Anforderungen für die Zulassung von GM-Pflanzen zu revidieren. So konnte ein

Forscher-Team um den chinesischen Professor Chen Yu Zhang von der

Nanjing-Universität sogenannte Mikro-RNA von Pflanzen im menschlichen Blut

nachweisen. Dies ist ein Beleg dafür, dass diese genetischen Steuermoleküle

in der Lage sind, die menschliche Darmwand zu passieren und so auf Gene

einzuwirken. Die Forschung von Chen Yu Zhang und Kollegen ist darauf

ausgerichtet, die molekularbiologischen Mechanismen der traditionellen

chinesischen Medizin aufzuklären. Gleichwohl weist die Tatsache, dass

pflanzliche Mikro-RNA in den menschlichen Körper gelangen kann, auf noch

näher zu untersuchende Risiken durch Nahrungsmittel mit genmanipulierten

Komponenten hin.

 

Es ist also höchste Zeit, dass die Vorschriften für die Zulassung von

GM-Pflanzen den verschiedenen neuen Erkenntnissen Rechnung tragen. Außerdem

muss eine Unabhängigkeit der Sicherheitsprüfungen und ihrer Bewertung

gewährleistet sein. Zugleich muss sichergestellt werden, dass - dem

Verursacherprinzip folgend - die Unternehmen für die entstehenden Kosten

aufkommen. Es bleibt zu hoffen, dass dafür gesorgt wird, bevor »das Kind in

den Brunnen gefallen ist«. Denn auch vor der 1961/62 aufgedeckten

Contergan-Tragödie vertraten die Pharmakonzerne und Behörden die Ansicht,

bestimmte Tests seien nicht notwendig. Im Fall der Gentechnik wird sich bei

näherem Hinsehen zudem erweisen, dass sich der Aufwand gar nicht lohnt, denn

mit effizienten agrarökologischen Anbauverfahren und nicht zuletzt mit

moderner konventioneller Züchtung, wenn deren Ergebnisse nicht

Profitinteressen dienen, ist der Menschheit weitaus mehr gedient als mit aus

GM-Pflanzen bestehenden Monokulturen.

 

Im September erscheint im Unrast-Verlag Peter Clausings neues Buch »Die

grüne Matrix. Naturschutz und Welternährung am Scheideweg«

http://www.unrast-verlag.de/die-gruene-matrix-detail

 

Artikel vom 7. August 2013  

 

 

 

 

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